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Zahnimplantate
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Zahnimplantate
sind in den Kieferknochen eingesetzte Fremdkörper. Das Teilgebiet der
Zahnheilkunde, das sich mit dem Einpflanzen von Zahnimplantaten in den
Kieferknochen befasst, wird als Implantologie bezeichnet. Durch ihre
Verwendbarkeit als Träger von Zahnersatz übernehmen Zahnimplantate die
Funktion künstlicher Zahnwurzeln. Hierbei werden sie im allgemeinen in den
Kieferknochen (enossale Implantate) eingedreht (über ihr Schraubgewinde)
oder einfach eingesteckt. Sie verbinden sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten
mit dem umgebenden Knochen zu einer festen, äußerst belastungfähigen
Trägereinheit (Osseointegration).
Hierbei spielt die mikromorphologische Oberflächengestaltung eine
Schlüsselrolle. Sie muss mit einer Mikro-Porentiefe von durchschnittlich 5µ
bis 100µ aufgeraut sein. Die makromorphologische Gestaltung (Implantatform)
hat nur Auswirkungen auf die Qualität ihrer chirurgischen Verarbeitbarkeit.
Die Gestaltung des aus dem Kieferknochen herausragenden Pfeilers hat
Einfluss auf die Qualität der zahntechnischen Verarbeitbarkeit.
Zahnimplantate bestehen üblicherweise aus Titan, aber auch aus keramischen
Materialien.
Anwendung
Zahnimplantate werden immer dann eingesetzt, wenn natürliche Zähne zur
Aufnahme einer Überkronung (Einzelkrone) oder als Brückenpfeiler für die
Überbrückung einer Zahnlücke durch eine Brücke fehlen. Auf die (meistens
abschraubbaren) Pfeiler der Implantate können dann einzelne Zahnkronen
geschraubt oder zementiert werden. Meistens, wenn auch erheblich teurer,
werden festsitzende Brücken als Zahnersatz auf die Implantate gesetzt. Sie
werden auch für die Verankerung herausnehmbarer Prothesen verwendet, die
sich dann durch Druckknöpfe, Geschiebe, Stege, Doppelkronen
(Teleskop-Kronen) oder Magnete an den Implantaten befestigen lassen und auf
diese Weise die Verankerung einer Prothese (Teil- oder Totalprothese)
ermöglichen.
Hieraus ergeben sich grundsätzlich auch die Anwendungsmöglichkeiten
(Indikationen), die sich in 4 Klassen einteilen lassen:
1. Freiendlücke (verkürzte Zahnreihe)
2. Schaltlücke (1-2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen Zahnreihe)
3. große Schaltlücke (mehr als 2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen
Zahnreihe)
4. Zahnlosigkeit
Man unterscheidet zylinderförmige Implantate mit oder ohne Schraubgewinde,
die entsprechend ihrer Form in ein rundes (rotationssymmetrisches) Bohrloch
im Knochen gesteckt oder geschraubt werden, von flachen blattförmigen
Implantaten (Extensionsimplantaten), die entlang dem Knochenverlauf der
Kiefer in einen 1mm schmalen Schlitz mit entsprechender Tiefe (4-14mm)
eingesenkt werden und dort festwachsen. Diese Implantate haben den Vorteil,
dass sie zudem noch Durchbohrungen haben, durch die der Knochen auch
horizontal hindurch wachsen kann. Es gibt zur Zeit weit mehr als 200
verschiedene Implantatsysteme.
Haltbarkeit
Bei zahnärztlichen Implantaten gibt es keinen Gebrauchsverlust, weil sie
sich in dem Sinne nicht verbrauchen. Ihre Haltbarkeit im Kiefer ist vielmehr
abhängig vom Erhalt des umgebenden Knochens. Die Verbindung zwischen
Implantat und Knochen ist nahezu ausschließlich durch bakterielle Einflüsse
zerstörbar (Auflösung der Knochenmatrix durch MMPs). Daher kommt der
Infektionsverhütung vor, während und nach dem Einbringen des Zahnimplantates
eine entscheidende Rolle zu. Mit abnehmender Empfindlichkeit gegenüber
bakteriellen Einflüssen bei gleichzeitiger Zunahme des intensiven
Implantat-Knochenkontaktes (BIC: bone to implant contact) unter
funktionell-physiologischer Kaubelastung sinkt das Risiko des
Implantatverlustes, weil die mechanische Belastung zeit- und
intensitätsabhängig zu einer röntgenologisch nachweisbaren gesteigerten
Mineralisierung des umgebenden Knochens führt. Dies bedeutet, dass in der
Anfangszeit nach der Operation sehr viel größere Aufmerksamkeit auf
Zahnreinigung und Mundhygiene verwendet werden muss, als nach ca. 2 Jahren
ereignisloser Tragezeit.
Die Erfolgssicherheit liegt nach internationalen Statistiken im
5-Jahresintervall bei 90-95% und steigt anschließend auf bis zu 98%. Sie ist
im wesentlichen von dem Eintreten einer Infektion abhängig. Durch geeignete
Maßnahmen, die sich der konsequenten Infektionsprophylaxe unmittelbar
postoperativ durch stationäre Nachsorge zuwenden, ist die Erfolgsquote im
10-Jahresintervall auf nahezu 100% steigerbar. Mit diesen Zahlen gehört die
zahnärztliche Implantologie zu den erfolgreichsten medizinischen Eingriffen
überhaupt.
Behandlungszeitpunkt
Man unterscheidet zwischen Sofortimplantaten - direkt nach Zahnverlust -,
verzögerten Sofortimplantaten - 4 bis 6 Wochen nach Zahnverlust -, und
Spätimplantaten - nach vollständiger Verknöcherung der Alveole (das leere
Zahnfach). Sofortimplantate sollten nur angewendet werden, wenn direkt nach
der Extraktion des Zahnes die Alveole entzündungsfrei ist. Verzögerte
Sofortimplantationen und Spätimplantationen verringern dieses Risiko.
Sofortimplantationen kommen den Bedürfnissen des Patienten am nächsten,
bergen aber auch das größte Verlustrisiko.
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